Stiftungsfest vom 24.10. bis 26.10.2025
Unser 129. Stiftungsfest feiern wir dieses Jahr im Hotel Bellevue in Dittersbach (Jetrichovice).
Eine Clubfreundin, die im Februar verstorben ist, hätte es sicher sehr gut gefallen. Von meinem Zimmer aus, welches in der vierten Etage liegt, kann ich die Grundmauern „ihres“ Michelhofes und ihr dahinter liegendes Geburtshaus sehen. Ganz rechts wird der Rabenstein, der Marienfelsen und die Wilhelminen Wand goldgelb von der Abendsonne angestrahlt.
Am Freitag reisen wir von Bad Schandau aus über Herrnskretschen (Hrensko) und der Rainwiese (Mezni Louke) fast problemlos an. Das erste Problem gibt es bereits in Schandau. Da wir zwei Wanderlustige vom Bahnhof abholen wollen, fahren wir über die monatelang gesperrte Elbbrücke. Auf dieser müssen wir dann einige Minuten stehen, da inzwischen die Brücke über die Eisenbahn einsturzgefährdet ist und mit einer Ampel geregelt wird. Auf dem Rückweg folgt dann das Gleiche, nur das wir sicher auf der Auffahrtrampe zur Brücke stehen. Ampelgeregelt kommen wird dann gut bis zur Grenze und weiter bis Dittersbach.
Kurz vor der Auffahrt zum Hotel sehe ich im Vorbeifahren zwei Autos in einem schmalen Weg stehen und denke mir so: die kennst du doch? Also wird schnell gewendet und siehe da, es sind Bergfreunde von der Wanderlust. Nach dem falschen Abbiegen in die vermeintliche Zufahrt zum Hotel, verhängt sich beim Rückwärtsfahren die Hinterachse von einem Auto an einem Grenzstein. Gerade als wir alles für das Herausziehen vorbereiten, hält ein tschechischer PKW und drei Männer steigen aus. Ohne viele Worte wird der erste „Bergungsversuch“ gestartet und mit vereinten Kräften steht das Auto wieder auf dem Waldweg. Als wir uns bei den drei Helfern mit einer großzügigen Geldspende bedanken wollen, lehnen sie diese ab. So eine uneigennützige Hilfsbereitschaft muß man in Deutschland erst einmal finden.
Nach diesem Trubel melden wir uns im Hotel an und beziehen die Zimmer. Nach und nach treffen alle Teilnehmer ein und gegen halb sieben gibt es das Abendessen. Für zwei Thüringer, welche sich durch die Staus auf der A4 bis Dresden gestaut hatten, wird eine kalte Platte vorbereitet, denn sie treffen erst 21 Uhr ein. Im Gastraum ist für uns eine lange Tafel gestellt und wir verbringen hier einen gemütlichen Begrüßungsabend. Die wenigen anderen Hotelgäste stören uns dabei nicht.
Da es bereits an den letzten Tagen und auch am Sonnabendfrüh geregnet hatte, ist das Klettern keine Option. Der Sandstein im Dittersbacher Gebiet ist teilweise so weich wie in Rathen.
Halb zehn startet somit eine recht große Wandergruppe von 20 Personen zu ihrer Stiftungsfesttour. Wir laufen durch das Dorf, am ehemaligen Kinderheim vorbei und beginnen den Aufstieg zur Marienaussicht. Hier oben hat die Mutter unserer Clubfreundin als junges Mädchen Tanzen gelernt. Das wäre heute schlecht möglich, denn das schöne Herbstwetter hat viele Wanderer hierhergelockt.
An Balzers Lager vorbei erreichen wir die Wilhelminen Wand. Wieder haben wir eine phantastische Aussicht. Obwohl man hier die Tour verkürzen könnte laufen alle weiter. Der nächste Aussichtsfelsen ist der Rudolfstein.
Beim Auf- und Abstieg gibt es etwas Stau in den engen Passagen der Stiege.
Nach der Besteigung des Felsens wandern wir noch die 1,5km bis zur Balzhütte. Da ja nur noch die hintere kleinere Gaststätte geöffnet hat, die eigentliche Balzhütte ist abgebrannt, ist die Gaststube sehr gut gefüllt. Wir holen unsere Getränke am Tresen und machen draußen, an der frischen Luft eine größere Rast.
Für den Rückweg zum Hotel entscheiden wir uns für das Stammbrückental. Da ein Tal meistens nur nach unten führt, kündige ich das auch so an. Es geht eigentlich nur noch nach unten!
Eigentlich bedeutet, dass es aber doch noch einmal einige Höhenmeter nach oben geht, da unser Wanderpfad eine größere Kurve der Forststraße abkürzt. Ich habe aber trotzdem kein schlechtes Gewissen, da ich vorsorglich an der Balzhütte eine „Entschuldigungsrunde“ ausgegeben hatte.
Kurz vor Dittersbach steigen die Gipfelhungrigen noch auf dem Falkenstein, welcher inzwischen mit vielen Eisenleitern und einer gesicherten Plattform für die allgemeinen Touristen zugänglich gemacht wurde. Früher war die Steiganlage zeitweise sehr abenteuerlich.
Da unser Clubgipfel der Falkenstein ist und zwar der in den Schrammsteinen, haben wir interessanterweise in fast allen Felsgebieten eine Clubgipfel.
Nach der Rückkehr von dieser ca. 11km langen Tour und dem Kaffeetrinken führen wir in einem separaten Raum unsere Clubversammlung durch. Es gibt einiges zu besprechen. Erstens stimmen wir darüber ab, dass ein Clubmitglied aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt wird und dass zweitens ein neues Mitglied zum Anklettern in die Wanderlust aufgenommen werden soll.
Nach dem Abendessen, wir konnten im Rahmen der Halbpension am Vorabend zwischen fünf Gerichten auswählen, ziehen wir alle in die gemietete Loge um.
Wie es jedes Jahr üblich ist, halte ich eine kleine Festrede zum Stiftungsfest. Dabei wird unser neues Ehrenmitglied vor allen Gästen offiziell ernannt und erhält seine Urkunde und herzliche Dankesworte von mir.
Zur Auflockerung des Abends und um die Clubkasse zu füllen, wird eine Tombola veranstaltet. Jedes Los gewinnt garantiert und es gibt außergewöhnliche Preise. Von einer Obstschale bis zum Traumauto ist alles dabei. Allerdings muß ich etwas trixen, denn unsere beiden Kinder sollten noch keine Schnapspullis oder ähnliches gewinnen.
Da wir in der abgeteilten Loge sitzen, kann nach Tresenschluß unser Fest bis zum nächsten Morgen drei Uhr weitergehen. Allerdings wissen wir nicht mehr genau, ob wir uns nach Sommerzeit oder Winterzeit zur Ruhe begeben haben.
Am Sonntag fahren paar Leute nach dem Frühstück, was an beiden Tagen sehr reichlich war, bereits nach Hause.
Eine kleine Gruppe von acht Wanderlustigen startet vom Hotel aus und wir laufen Richtung Grieselmühle, welche am Kreibitzbach liegt. Weiter geht es durch den Paulinengrund. Das Tal wollten wir eigentlich noch weiter hochwandern und dann von hinten nach Rennersdorf gelangen, doch dazu hätten wir den Bach furten müssen, da sich der Weg nur auf der anderen Bachseite fortsetzt.
Also gehen wir ein kleines Stück zurück und steigen direkt nach Rennersdorf auf. An der Straße laufen wir links, etwas bergab zu der Zwergenstiege. Diese steigen wir hoch und über eine Wiese erreichen wir einen asphaltierten Weg. Nach wenigen Metern biegt links ein Waldweg ab, der uns nach Dittersbach zurückbringt.
Die kleine Runde waren dann doch etwa 8km. Nun verabschieden auch wir uns von einander und treten den Heimweg an.
Berg Heil!
Knut






